Seelsorgeeinheit Oberes Achtal

Zur Seelsorgeeinheit Oberes Achtal  gehören die folgenden fünf Gemeinden 

St. Jakobus Maior Rötenbach

St. Katharina Molpertshaus

St. Katharina Wolfegg

St. Nikolaus Alttann

St. Philippus und Jakobus Bergatreute

In versöhnter Verschiedenheit „Andere anders sein lassen“

Wolfegg (24. Mai 2021) - Es ist gute Tradition in der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, dass am Pfingstmontag mit der evangelischen Schwestergemeinde Alttann ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert wird. In diesem Jahr war nicht nur die begrenzte Gottesdienstbesucherzahl aufgrund der Corona-Bestimmungen ganz neu, nachdem im letzten Jahre der Gottesdienst komplett ausfallen musste. Auch Pfarrer Jan Gruzlak, der Leiter der evangelischen Kirchengemeinde, war erstmals Konzelebrant und sogleich auch Prediger beim ökumenischen Gottesdienst.
In der Begrüßung, die besonders auch an die Christen der evangelischen Kirchengemeinde Alttann und der fünf katholischen Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal gerichtet war, betonte Pfarrer Klaus Stegmaier, dass auch die Kirche „wachsen und reifen muss“ und stets aufgefordert ist, dazu zu lernen, damit „Jesu Botschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Barmherzigkeit“ spürbar und erfahrbar werde. So setzte Pfarrer Stegmaier schon zum Auftakt des Gottesdienstes ein Zeichen der Ökumene, da ja auch die Jahreslosung der Kirchengemeinde Alttann das Thema Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36)
In seiner Predigt hat Pfarrer Jan Gruzlak eine die Ökumene geradezu befördernde Auslegung der Lesung 1 Mose 11, 1-9, weithin bekannt als die Stelle, wo vom Turmbau zu Babel im Alten Testament berichtet wird, vorgestellt. Gruzlak hat dabei das theologische Augenmerk weniger auf den Turmbau, der stets mit der Hybris, der Überheblichkeit der Menschen, die sein wollten wie Gott, und der  babylonischen Sprachverwirrung verbunden wird, gelegt. Vielmehr stellte er die geradezu phantastische Stadt Babel vor, die nach der Bibel so professionell angelegt war, dass die Menschen keinen Grund mehr hatten, die Stadt zu verlassen. Und genau da setzte der 42-Jährige an. Es gehe beim Turmbau zu Babel nicht in erster Linie darum, den Himmel zu erobern, sondern vielmehr darum, zu zentralisieren, die Menschen „an einem Ort zusammenzubringen, zu vereinheitlichen“. Und weiter: „Sie wollten den Aufbruch ins Neue vermeiden und in der Gemütlichkeit verharren“. Das aber, so ist Gruzlak überzeugt, wollte Gott nicht. Er wollte und will die „Zerstreuung“ (gemäß Vers 8 der Lesung), er wollte und will, dass die Menschen „die Weite in Besitz nehmen“, dass sie „Offenheit für Fremdheitserfahrungen“ zeigen. Das gelte auch für den Glauben. „Indem wir uns öffnen für die Einflüsse um uns herum, verwässern wir nicht unseren Glauben, wir vertiefen ihn“, so der in Bonn geborene Theologe, der zuletzt sieben Jahre in Bad Godesberg wirkte. Dies galt schon für die Israeliten, an die die Geschichte vom Turmbau zu Babel zunächst gerichtet war. Aber auch wir sollten wissen, dass „offen zu sein für Fremdheitserfahrungen Offenheit für Gott“ bedeutet, so der Vater von vier Kindern, der erst seit September letzten Jahres seinem Wunsch entsprechend aus dem Westen Deutschlands ins südliche Oberland kam und auf Pfarrer Siegfried Kastner folgte.
Auch für das Pfingstereignis, wie es in der Apostelgeschichte geschildert wird, bot Gruzlak eine Neuinterpretation an. Es ist nicht so, dass an Pfingsten die Vielheit wieder zurückgenommen wird, weil eben die Sprachverwirrung aufgehoben wird. Diese werde vielmehr gesegnet, weil der Heilige Geist mit dem Pfingstereignis so wirkt, dass „ein jeder die Apostel nun in seiner eigenen Sprache hört“.  So werden die Menschen zu einer Einheit, „ohne dass sie ihr je Eigenes aufgeben mussten“.
Diese Überlegungen, so ist anzunehmen, zeigen auf, wie Pfarrer Gruzlak Ökumene und das Miteinander der Konfessionen versteht.
Noch bevor der Seelsorger zum Schluss seiner Predigt kam, würdigte er die ökumenische Weite und Gastfreundschaft der „Katholiken hier vor Ort“. So durften „Fremdlinge einer anderen Konfession“, wie er sich und seine evangelischen Mitchristen augenzwinkernd bezeichnete, schon zum dritten Mal in diesem Monat zu Gast in der katholischen Kirche sein. Zudem, so gab er schmunzelnd und die Gottesdienstbesucher zum Schmunzeln bringend wieder, gäbe es in der Sakristei der Kirche einen Schalter, der beschriftet ist mit „Evangelische Glocke“ (siehe Foto).
Schließlich rief er die zahlreichen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher dazu auf, „Andere anders sein zu lassen“.  Das fände er einen „pfingstlichen Geist“, Andere anders sein zu lassen und sich daran auch noch zu erfreuen. So könne „versöhnte Verschiedenheit“, wie das Miteinander der Konfessionen vielfach als Wunschbild aufgezeigt wird, werden.
Den Gottesdienst, den Pfarrer Klaus Stegmaier, Leiter der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal und eben Pfarrer Jan Gruzlak, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Alttann und Altenheim- und Kurseelsorger von Bad Waldsee, und Diakon Franz Fluhr zelebrierten, wurde durch ein Schola mit Organistin Claudia Bentele , Nathalie Schele und Klaus Kloos musikalisch begleitet. Der Schola gelang es an diesem Pfingstmontagmorgen, die Heilig-Geist-Lieder nicht nur mehrstimmig, sondern auch sehr einfühlsam und geradezu berührend vorzutragen und so das pfingstliche Ereignis erfahrbar werden zu lassen.
Den Segen spendeten die beiden Pfarrer in ökumenischer Verbundenheit gemeinsam am Altar.
Die Predigt kann übrigens unter der Telefonnummer 07527 – 95 898 25 als Telefonpredigt, gesprochen von Jan Gruzlak, angehört werden.

Text und Fotos: Günter Brutscher 

Maialtäre – ein ganz besonderer Kirchenschmuck

Die Kirchen sind, das kann wohl von fast allen bestätigt werden, die schönsten Orte in einer Gemeinde oder einer Stadt. Zudem sind diese meistens  Orte der Stille und der Besinnung. Neben den Ausstattungen in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen sind Kirchen dann auch noch, je nach Kirchenjahr, vielfältig gestaltet bzw. geschmückt. Im Advent, zu Beginn des Kirchenjahres, ist es der Adventskranz, dann wird an Weihnachten die Krippe aufgestellt und bleibt meistens bis Mariä Lichtmess, wie das Fest der „Darstellung des Herrn“ im Volksmund noch immer heißt. Die Christbäume werden in der Regel schon einige Wochen vorher wieder abgeschmückt. Schon bald danach wird auch im Kirchenschmuck deutlich, dass eine Zeit der Besinnung, eine Zeit des Fastens angebrochen ist. Der Blumenschmuck wird deutlich reduziert, bis an Gründonnerstag quasi jeglicher Schmuck verschwindet. Und wenige Tage danach erstrahlt das Gotteshaus nicht nur in der Osternacht, sondern auch am Ostersonntag und dann viele Wochen danach in hellem Osterkerzenglanz und mit prächtigen Blumengebinden. Zudem zeigt oftmals eine Figur des Auferstandenen, dass die Menschen das „Halleluja“ der Osterfreude bewegt. Im Mai richtet sich dann der Blick fast automatisch in Richtung des Marienaltars, der fast immer vornehmlich mit Hortensien geschmückt wird. Pfingsten wirkt sich, soweit der Schreiber dieser Zeilen sich erinnern kann, kaum auf eine besondere Gestaltung des Gotteshauses aus. An Fronleichnam wird mit den Blumenteppichen und den Stationsaltären der Kirchenschmuck in die Ortschaft und in die Fluren gebracht. Später dann sind es die Erntedankaltäre, die nicht nur sichtbar, sondern immer auch mit anderen Sinnen erfahrbar, das Lob und den Dank angesichts der guten Schöpfung und Freude über eine gute Ernte zum Ausdruck bringen.
Den Dank an diejenigen, die diesen Kirchenschmuck über das Jahr hinweg stets hegen und pflegen, darf an dieser Stelle gewiss einmal ein großes und herzliches „Vergelt’s Gott!“ zugerufen werden.
Wie bereits erwähnt, ist es der Blumenschmuck an den Marienaltären im Mai, der Jahr für Jahr mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen wird und auf die besondere Verehrung Mariens im Monat Mai verweist. In diesem Jahr sollen einmal die Maialtäre aller fünf Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal kurz im Bild vorgestellt werden. Wie man sieht, dominieren Hortensien in unterschiedlichen Farben und Arrangements den Blumenschmuck. In Molpertshaus und in Alttann wurde der Blumenschmuck zu Füßen der Marienfiguren aufgebaut, die das ganze Jahr über zu sehen sind. In Rötenbach, Wolfegg und Bergatreute wurden an den Marienaltären eigens Figuren der Mutter Gottes aufgestellt, die ansonsten nicht oder an einem anderen Platz in der Kirche zu sehen sind. Bei genauerem Hinsehen kann man erkennen, dass die Marienfigur in Alttann und in Wolfegg (kleinere Figur in Silber) dem gleichen Typus zuzurechnen sind. Der Knabe Jesus und Maria sind dabei bekrönt, Maria steht auf der geradezu klassischen Mondsichel. Die Marienfigur in Bergatreute kann als Maria Immaculata (also Maria, unbefleckte Empfängnis) wie auch die Rötenbacher Madonna verstanden werden. Beide sind barfuß, zertreten die Schlange zu ihren Füßen und überwinden damit symbolisch dir Ur- oder Erbsünde.
Im Hintergrund der Bergatreuter Madonna sind übrigens vier der fünf Sterne zu sehen, die dem Johannes Nepomuk, der rechts über die Schulter Mariens blickt, zuzuordnen sind. Man kann bei genauem Betrachten die Buchstaben t – a – c – u erkennen. Es fehlt also nur das i, damit die Aussage „tacui – ich habe geschwiegen“ und damit das Beichtgeheimnis gewahrt, vollständig ist.
Dazu mehr bei den Heiligen des Monats Mai!
In der Seelsorgeeinheit gibt es im Monat Mai 2021 insgesamt mindestens vier Maiandachten, für die sich die Gläubigen allerdings anmelden müssen.
Die erste Maiandacht war schon am 2. Mai in Bergatreute. Die Kirche war nach Corona-Vorgaben fast ganz gefüllt. Pfarrer Klaus Stegmaier stellte ansprechende Bibeltexte und Meditationen vor. Im gemeinsamen Gebet und dem Hören der vorgetragenen Marienlieder wurde der Mutter Gottes gedacht und Gott gepriesen. Der „Bergatreuter Dreigesang“ mit Claudia Bentele und den Gebrüdern Manfred und Hans Hoh sorgte für die musikalische Gestaltung und vermittelte so ein Gefühl der Geborgenheit, das die Menschen, die die Maiandachten besuchen, so sehr schätzen. Den Abschluss der Maiandacht bildete die Aussetzung des Allerheiligsten und der sakramentale Segen.

Die weiteren Maiandachten in der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal im Jahr 2021 sind:
Sonntag, 16.05.2021, um 19.00 Uhr in Molpertshaus
Sonntag, 23.05.2021, um 19.00 Uhr in Wolfegg
Sonntag, 30.05.2021, um 19.00 Uhr in Rötenbach

Ostern 2021

"Ich wünsche Dir, dass jede Nacht Deines Lebens in die Morgenröte eines neuen Tages mündet.
Ich wünsche Dir die Wärme und Glut eines Osterfeuers in Deinem Herzen.
Ich wünsche Dir das strahlende Licht der Osterkerze.
Ich wünsche Dir jeden Tag ein Halleluja auf Deinen Lippen.
Ich wünsche Dir den Glanz der Osternachtlichter an trüben Tagen.
Ich wünsche Dir die erfrischende und belebende Kraft des Osterwassers.
Ich wünsche Dir die Fortsetzung der Emmausgeschichte für Dein Leben.
Ich wünsche Dir zu jeder Stunde die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen.
Möge die Freude jeden Schmerz vertreiben, das österliche Licht jede Nacht durchdringen und das österliche Mahl alle Einsamkeit überwinden."
Diese guten Wünsche hat Pfarrer Klaus Stegmaier in seiner Predigt am Ostersonntag allen Gläubigen der Seelsorgeeinheit, ob sie den Gottesdienst besuchen konnten oder nicht, zugesagt. Zuvor ging er auf die Besonderheit von Ostern ein. Es gelte, so in Anlehnung an einen Gruß, der ihm selbst zukam, mit "Osteraugen, die auf Jesus schauen" auf das Geheimnis der Auferstehung, trotz aller Widrigkeiten, zu blicken. Dann, so der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, erschließe sich auch die Bedeutung einer Osterbeichte oder das Geheimnis der Osterkommunion, "bei der wir dem auferstandenen Heiland am innigsten begegnen". So könne sich auch das einstellen, was man als die "Osterfreude" bezeichnet, die aufscheint in der Erkenntnis, dass wir mit Jesu Auferstehung den Tod und letztlich das Leid der Welt überwunden haben. 
In allen Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheiten gab es mit dem befreienden österlichen Halleluja, mit dem Entzünden der in der Osternacht geweihten Osterkerzen, mit Weihrauch, dem "Osterbildle", das seit einigen Jahren in allen Kirchen der SE ausgeteilt wird, und festlichen Orgelklängen Hochämter am Ostersonntag. Zudem ließen kleinere Gesangsgruppen erahnen, wie es vielleicht schon im nächsten Jahr wieder klingt, wenn der Kirchenchor mit dem Halleluja von Händel die Osterfreude quasi in ungeahnte (auch musikalische) Höhen führt. 
Nachfolgend gibt es einige Fotos von einem Osterfenster in Alttann, Figuren des Auferstandenen oder der jährlich von Sonja Lerch aus Engetweiler für Molpertshaus liebevoll und künstlerisch gestalteten Osterkerze. 
Und vielleicht weiß Pfarrer Stegmaier mit der Predigt vom Ostermontag noch etwas mehr, um das Ostergeheimnis noch etwas besser zu verstehen.
Text: Günter Brutscher  Fotos: Klaus Stegmaier und Günter Brutscher

PREDIGT VON PFARRER KLAUS STEGMAIER AM OSTERSONNTAG
PREDIGT VON PFARRER KLAUS STEGMAIER AM OSTERMONTAG