„Probier’s mal mit Gemütlichkeit!“ - Feriengruß von Pfarrer Klaus Stegmaier

SE OBERES ACHTAL (Sommerferienzeit 2022) - Die Sommerpause bzw. die Ferienzeit steht mal wieder vor der Tür und viele unter uns haben in den nächsten Wochen Urlaub. Doch wie nützt man diese Zeit am sinnvollsten? Die Vorstellungen davon, was erholsam ist und einem wirklich guttut, gehen ziemlich weit auseinander. Hier gilt nicht: „Jedem dasselbe“, sondern „jedem das Seine“. Der Bär Balu in dem bekannten Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ gibt singend folgenden Rat:
„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit. / Jagst du den Alltag und die Sorgen weg, / und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, / dann nimm es dir, egal von welchem Fleck …“
Wir beneiden den Bären Balu um seine Lebenskunst: Alltag und Sorgen über Bord zu werfen, einfach mal abzuschalten und alle Viere von sich zu strecken. Doch dann holt uns die Realität wieder ein: Gemütlichkeit ist unmodern geworden und wird schnell mit Faulheit und fehlender Kreativität gleichgesetzt. Hat der Bär Balu denn nun unrecht? Sicher nicht.
Der große Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux (1090-1153) schrieb seinem ehemaligen Schüler Papst Eugen III.  im Jahr 1150 folgende Sätze:
„Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst: dort, wo sich deine Stirn verhärtet … Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da …“
Wem das immer noch nicht reicht, der möge die Heilige Schrift aufschlagen, wo Jesus seinen Freunden empfiehlt, mal Urlaub zu machen, wenn er sagt: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! … Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein“ (Mk 6,31-32).
Diese „Urlaubs-Theologie“ Jesu rät zu einem Urlaub mit wenigen Menschen und an einem einsamen Ort. Weg also von den überlaufenen Urlaubsorten! Der zweite Ratschlag Jesu: „Urlaub um auszuruhen!“ Also nicht vier Länder in drei Tagen sehen, sondern in Ruhe und Gemütlichkeit, verstanden als Zeit, um Geist und Körper zu erholen. Damit nicht der schlecht gemeinte Witz wahr wird: „Nach dem Urlaub muss ich mich erst mal vom Urlaub erholen …“
Der französische Literat Francois de La Rochefoucauld hat recht, wenn er sagt: „Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie anderswo zu suchen.“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen eine gemütliche und damit gesegnete Urlaubs- und Ferienzeit 2022.

Pfarrer Klaus Stegmaier